Die Pariser Sinfonien (1785/1786)
► Die Finalsätze

Die Finalsätze der Pariser Sinfonien folgen noch immer fast durchgängig dem Aufbauprinzip der Sonatenhauptsatzform [14]; deutlich liegt der Akzent auf der thematischen Arbeit, der gegenüber das Interesse an einem kontrastierenden Seitenthema merkbar zurücksteht [15]. Da die Verarbeitung des Themas in der Regel sofort nach dessen Aufstellung beginnt, ist das Verhältnis der Durchführung zur Gesamtlänge des Satzes kein Indiz für die Intensität der thematischen Arbeit. Gemessen an der Taktzahl schwankt die Ausdehnung der Durchführung sehr stark: sie ist mit 18,9% am kürzesten in Sinfonie 86 und mit 51,2% am längsten in Sinfonie 87, in der die Reprise radikal auf 10,2% verkürzt ist. Eine ungewöhnliche Dichte der thematischen Arbeit zeigt das Finale der Sinfonie 86.

Nb 6.7: Sinfonie 86, Finale: Thema und Seitenthema
Sinfonie 86, Finale: Thema
Sinfonie 86, Finale: Seitenthema

Sein acht Takte umfassendes, von den Streichern allein vorgetragenes spielerisch-gelöstes Thema besteht aus zwei Motiven, die dreimal auf verschiedenen Stufen wiederholt werden: der fünffachen Repetition eines Achteltons und einer Sechzehntelgruppe mit einem Wechseltonmotiv: dieses Material ist in dem gesamten Satz nahezu allgegenwärtig, besonders die fünftönige Achtelgruppe tritt in immer neuen Kombinationen auf, und es ist überaus bezeichnend, dass auch das Seitenthema mit ihr beginnt. Statt des Wechseltonmotivs schließen an sie jetzt zweitönige, durch Pausen voneinander getrennte Sechzehntel-Partikel an. Erst im Nachsatz des Seitenthemas erscheint eine kantable Achtelfigur, die freilich auch gleich wieder von dem Sechzehntelmotiv abgelöst wird.

Auch das Finale der Sinfonie 87 beschränkt sich völlig auf das motivische Material, das mit dem Thema eingeführt und noch in der Exposition sofort ausgiebig verarbeitet wird: ein Seitenthema ist nicht vorhanden und ebensowenig eine regelgemäße Reprise. Nach einer überlangen Durchführung – sie nimmt mit 110 Takten mehr als die Hälfte des gesamten Satzes ein – erklingt der Vordersatz des Themas 22 Takte vor Schluß nach einer Fermatenpause erstmals wieder in der Grundtonart, und danach beschließt v eine kurze Coda diesen sehr lebendigen, kraftvollen Satz.


Anmerkungen

[14] Nur Sinfonie 85 hat als Finale ein Sonatenrondo, wie es für die folgenden Sinfonien charakteristisch ist.

[15] Ein deutlich kontrastierendes Seitenthema haben nur die Sinfonien 82 und 81.