Die Sinfonien Joseph Haydns
► Vorwort

Die vorliegende Arbeit versucht, Joseph Haydns sinfonisches Schaffen, eines der größten und bedeutendsten Werkkomplexe der klassischen Epoche, in seiner historischen Entwicklung darzustellen. Dabei wurde davon abgesehen, jede einzelne Sinfonie, wie in Konzertführern üblich, einzeln zu besprechen; vielmehr wurden die Werke in sieben chronologisch nach biographischen Gegebenheiten aufeinander folgenden Gruppen zusammengefasst und die Darstellung darauf orientiert, die charakteristischen Besonderheiten jeder dieser Gruppen herauszuarbeiten.

Bei der Besprechung vor allem der ersten Sätze wurde ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt, auf Abweichungen von der formalen Norm aufmerksam zu machen und sie nach ihrer Bedeutung für das Werk zu hinterfragen. Diese Akzentuierung der Darstellung möge nicht dahin missverstanden werden, als verträte der Verfasser die Meinung, die Qualität eines sinfonischen Werkes ließe sich daran messen, wie genau es sich an dieser Norm orientiert, die sich in Haydns Zeit ohnehin erst herausbildete und von der Formenlehre dann im 19. Jahrhundert kodifiziert wurde. Dahinter steht vielmehr die Überzeugung, dass sich in den Abweichungen von der formalen Norm semantische Momente manifestieren, dass aus ihnen Besonderheiten des jeweiligen Werkes ablesbar sind, die sich verbal nur schwer erfassen lassen, aber für seine inhaltliche Aussage, für das, was es dem Hörer mitteilen will, aufschlussreich sind.

Die Darlegungen werden durch zahlreiche Notenbeispiele illustriert. Dabei wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit grundsätzlich die Partiturform beibehalten und davon abgesehen, die einzelnen Stimmen, wie vielfach üblich, nach Art eines Klavierauszuges auf zwei Notensystemen zusammenzuziehen. Allerdings war eine Verkürzung unumgänglich: um den Umfang nicht unnötig auszudehnen, wurde auf die Stimmen der Bläser überall dort verzichtet, wo sie, wie in Haydns frühen Schaffen üblich, nur melodieverstärkende oder harmonieauffüllende Bedeutung haben und also für die Demonstration des jeweiligen Sachverhalts belanglos sind.

Im Haydnjahr 2009

Wolfgang Marggraf